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Motive im Beruf: Haben sich unsere Antreiber verändert?

vor 7 Tagen
4 Min. Lesezeit

Person ordnet berufliche Prioritäten in einem Notizbuch als Symbol für Motive im Beruf.

„Früher wollte ich unbedingt weiterkommen. Heute frage ich mich häufiger, wie ich eigentlich arbeiten möchte.“ Solche Sätze fallen oft an beruflichen Wendepunkten. Aufgaben, die lange attraktiv waren, verlieren an Bedeutung. Andere Wünsche treten deutlicher hervor: mehr Gestaltung, mehr Sicherheit, mehr Sinn oder mehr Zeit für das übrige Leben.

Hat sich damit das persönliche Motiv verändert? Oder hat sich vor allem die Lebens- und Arbeitssituation verschoben? Eine eindeutige Antwort gibt es selten. Wissenschaftlich sauberer ist ein differenzierter Blick: Grundbedürfnisse und innere Antreiber können vergleichsweise beständig sein. Ihre Gewichtung, Wahrnehmung und Bedeutung für aktuelle Entscheidungen können sich jedoch verändern.

Motive im Beruf: Was treibt mich wirklich an?

Motive beschreiben, was Menschen innerlich wichtig ist und wofür sie Energie einsetzen. Zwei Personen können dieselbe Aufgabe übernehmen und dabei Unterschiedliches suchen. Die eine möchte gestalten und Einfluss nehmen. Die andere schätzt fachliche Tiefe, verlässliche Strukturen oder die Zugehörigkeit zu einem guten Team.

Der LINC Personality Profiler, kurz LPP, betrachtet neben Charaktereigenschaften und Kompetenzen auch Motive. Dadurch entsteht ein differenzierter Blick auf die Fragen: Was zieht mich an? Was gibt mir Sicherheit? Welche Aufgaben passen zu meinen inneren Antreibern? Und wo verlangt der berufliche Alltag dauerhaft Anpassung?

Motive im Beruf bleiben nicht immer gleich sichtbar

Die aktuelle Forschung erlaubt keine pauschale Aussage, dass sich menschliche Motive in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hätten. Sie zeigt jedoch, dass Arbeitswerte, Autonomie, Wohlbefinden und die Bedeutung von Arbeit zunehmend neu betrachtet werden. Eine aktuelle soziologische Analyse beschreibt die Pandemie dabei als Katalysator für Entwicklungen, die bereits zuvor begonnen hatten.

Auch die Forschung zur Selbstbestimmung im Arbeitskontext ist relevant. Autonome Motivation und erfüllte psychologische Grundbedürfnisse stehen in Verbindung mit Arbeitszufriedenheit, Engagement und Leistung. Kontrollierte Motivation und frustrierte Bedürfnisse werden dagegen häufiger mit belastenden Ergebnissen wie Burnout oder Wechselabsichten verbunden.

Dabei ist eine Unterscheidung hilfreich. Motive sind innere Antreiber. Psychologische Bedürfnisse beziehen sich beispielsweise auf Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Arbeitswerte beschreiben, was Menschen an ihrer Arbeit und an den Rahmenbedingungen wichtig finden. Diese Ebenen hängen zusammen, sind aber nicht identisch.

Warum Lebensphasen die Gewichtung verändern können

Berufliche Prioritäten entstehen nie losgelöst vom übrigen Leben. Familienverantwortung, gesundheitliche Erfahrungen, eine neue Führungsrolle oder der Wunsch nach mehr Zeit können dazu führen, dass bestimmte Motive bewusster wahrgenommen werden. Sicherheit kann zeitweise stärker in den Vordergrund treten, während in einer anderen Phase Entwicklung oder Selbstbestimmung mehr Raum erhält.

Wenn mehrere Motive gleichzeitig wichtig sind

Schwierige berufliche Entscheidungen entstehen häufig, weil mehrere berechtigte Motive miteinander konkurrieren. Eine neue Aufgabe verspricht Entwicklung, während der bestehende Arbeitsplatz Sicherheit bietet. Eine Führungsrolle eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten, verlangt jedoch mehr Verfügbarkeit. Der Wunsch nach Zugehörigkeit kann mit dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung in Spannung geraten.

Solche inneren Spannungen sind kein Zeichen mangelnder Entschlossenheit. Sie zeigen, dass verschiedene Bedürfnisse und Werte berücksichtigt werden möchten. Klarheit entsteht dann weniger durch eine schnelle Pro-und-Contra-Liste als durch die Frage, welches Motiv in der aktuellen Lebensphase besonderes Gewicht erhalten soll.

Der Motiv-Kompass für berufliche Entscheidungen

Ein Motiv-Kompass kann helfen, Veränderungen im eigenen Erleben einzuordnen. Vier Fragen geben Orientierung.

Was zieht mich an?

Welche Aufgaben, Rollen oder Arbeitsumgebungen wecken Interesse? Vielleicht ist es die Möglichkeit, zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, Wissen zu vertiefen oder mit anderen Menschen etwas zu entwickeln.

Was gibt mir Sicherheit?

Sicherheit kann durch klare Strukturen, stabile Beziehungen, Planbarkeit oder fachliche Kompetenz entstehen. Was früher selbstverständlich wirkte, kann in einer veränderten Lebensphase bewusster in den Vordergrund treten.

Wofür investiere ich gerne Energie?

Nicht jede anspruchsvolle Aufgabe erschöpft. Manche Herausforderungen geben Energie, weil sie zu den eigenen Motiven passen. Andere verlangen dauerhaft viel Anpassung, obwohl sie äußerlich gut bewältigt werden.

Was soll künftig mehr Raum bekommen?

Diese Frage verbindet Motive mit der aktuellen Lebenssituation. Vielleicht geht es heute stärker um Autonomie, Verbundenheit, Entwicklung oder Wohlbefinden. Die Antwort muss nicht für immer gelten. Sie beschreibt, was jetzt besonders wichtig ist.

Motive, Werte und berufliche Neuorientierung

Motive erklären nicht jede berufliche Unzufriedenheit. Auch Führung, Arbeitsbedingungen, Rollen und Belastungen spielen eine wichtige Rolle. Wer die eigenen Antreiber kennt, kann jedoch klarer prüfen, was im aktuellen Umfeld fehlt und welche Veränderung wirklich passend wäre.

Wenn Sie gerade überlegen, was sich beruflich verändern soll, finden Sie im Artikel „Berufliche Neuorientierung: Woher weiß ich, dass es Zeit dafür ist?“ einen Neuorientierungs-Kompass mit vier möglichen Richtungen.

Wie Motive, Charaktereigenschaften und Kompetenzen gemeinsam sichtbar werden, erläutere ich im Beitrag „LINC Personality Profiler im Coaching: Sich selbst besser verstehen“.

Fazit

Motive im Beruf verändern sich nicht zwangsläufig vollständig. Häufig verändert sich, wie deutlich wir sie wahrnehmen und welches Gewicht sie in einer bestimmten Lebens- oder Berufsphase erhalten.

Der Motiv-Kompass unterstützt dabei, Anziehung, Sicherheit, Energie und künftige Wünsche miteinander zu verbinden. So entsteht eine fundierte Grundlage für Entscheidungen, die zur eigenen Persönlichkeit, zur aktuellen Lebenssituation und zu den vorhandenen Rahmenbedingungen passen.


Wenn Sie Ihre Motive, Charaktereigenschaften und Kompetenzen differenzierter kennenlernen möchten, kann der LINC Personality Profiler eine fundierte Grundlage bieten. In einem persönlichen Auswertungsgespräch oder einem anschließenden Coaching betrachten wir gemeinsam, was Sie antreibt, welche beruflichen Rahmenbedingungen zu Ihnen passen und welche nächsten Schritte sich daraus entwickeln können.


Quellenangaben

Self-Determination Theory and Workplace Outcomes: A Conceptual Review and Future Research Directions

McAnally, K., & Hagger, M. S. (2024). Behavioral Sciences, 14(6), 428. DOI: 10.3390/bs14060428.

Konzeptionelle Übersichtsarbeit zu autonomer und kontrollierter Motivation, psychologischen Grundbedürfnissen und arbeitsbezogenen Ergebnissen. Die Autoren benennen zugleich Grenzen der bisherigen Forschung.


Changing Work Values: Beyond Hustle Culture

Bellini, F., & Lomazzi, V. (2024). Sociológia – Slovak Sociological Review, 56(6), 555–580. DOI: 10.31577/sociologia.2024.56.6.20.

Soziologische Einordnung des Wandels von Arbeitswerten. Die Arbeit beschreibt die Pandemie als Katalysator bereits laufender Veränderungen und diskutiert Sinn, Wohlbefinden und Selbstverwirklichung.


Work Values Review: Research Progress and Prospects

Yao, W., Arshad, M. A., & Zhao, M. (2024). International Journal of Academic Research in Business and Social Sciences, 14(2), 427–438. DOI: 10.6007/IJARBSS/v14-i2/20680.

Systematische Literaturübersicht zu Begriffen, Dimensionen, Messinstrumenten und Einflussfaktoren von Arbeitswerten. Die Arbeit weist ausdrücklich auf uneinheitliche Befunde und weiteren Forschungsbedarf hin.


LINC Personality Profiler

LINC GmbH.

Offizielle Beschreibung des LINC Personality Profilers als ganzheitliche Erfassung von Charakter, Motiven und Kompetenzen auf Basis der Big Five.



Hinweis: Die verwendeten Quellen stützen keine pauschale Behauptung, dass sich menschliche Motive in wenigen Jahren grundlegend verändert hätten. Der Artikel unterscheidet deshalb zwischen Motiven, Arbeitswerten, psychologischen Bedürfnissen sowie deren aktueller Gewichtung und Wahrnehmung.

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