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Mein schwieriger Chef – oder steckt etwas anderes dahinter? Coaching bei Konflikten mit Vorgesetzten

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Schwieriger Chef? Warum Konflikte mit Vorgesetzten oft komplexer sind


Person sitzt an einem Laptop. Verschwommene Notizen und grafische Elemente im Hintergrund stehen sinnbildlich für berufliche Herausforderungen, Reflexion und neue Perspektiven.

Montagmorgen, 8:15 Uhr.

Frau M. sitzt bereits an ihrem Schreibtisch. Der erste Kaffee steht neben dem Bildschirm, die wichtigsten Aufgaben für die Woche sind vorbereitet. Eigentlich müsste sie zufrieden sein. Sie arbeitet gerne, kennt ihre Aufgaben und bringt viel Erfahrung mit.

Trotzdem begleitet sie seit Wochen ein unangenehmes Gefühl zur Arbeit.

Der Grund ist nicht die Arbeit selbst. Es ist ihr Chef.


Vor einigen Monaten hätte Frau M. noch gesagt, dass die Zusammenarbeit grundsätzlich funktioniert. Mittlerweile empfindet sie viele Situationen als belastend. Entscheidungen werden kurzfristig geändert. Rückmeldungen bleiben aus. Vereinbarungen scheinen plötzlich nicht mehr zu gelten.

Manchmal investiert sie mehrere Tage in eine Aufgabe und erhält keinerlei Reaktion. Dann wiederum kommt eine kritische Bemerkung, mit der sie nicht gerechnet hat.

Immer häufiger stellt sie sich dieselben Fragen:

  • Habe ich etwas falsch gemacht?

  • Sind die Erwartungen unklar?

  • Bin ich zu empfindlich?

  • Oder ist die Zusammenarbeit tatsächlich schwierig?

Abends kreisen ihre Gedanken weiter. Gespräche gehen ihr noch einmal durch den Kopf. Formulierungen werden analysiert. Manchmal spielt sie Situationen mehrfach im Kopf durch und überlegt, was sie hätte anders machen können.

Was sie zunehmend belastet, ist nicht nur das Verhalten ihres Chefs. Es ist die Unsicherheit.


Wenn die Gedanken ständig um dieselbe Person kreisen

Viele Menschen kennen solche Situationen.

Manchmal wirkt eine Führungskraft unberechenbar. Mal wird viel Freiraum gegeben, dann wieder eng kontrolliert. Prioritäten ändern sich scheinbar kurzfristig. Rückmeldungen bleiben aus oder kommen überraschend deutlich.

Andere erleben eine Führungskraft, die hohe Erwartungen hat, diese aber nicht klar kommuniziert. Wieder andere fühlen sich nicht gesehen oder haben den Eindruck, ständig unter Beobachtung zu stehen.

In solchen Situationen entsteht häufig ein inneres Spannungsfeld.

Einerseits möchte man professionell bleiben. Andererseits wächst der Ärger. Man versucht, die Situation zu verstehen, sich anzupassen oder Konflikte zu vermeiden. Gleichzeitig nimmt die Belastung zu. Irgendwann beschäftigt die Zusammenarbeit mehr als die eigentliche Arbeit.


Ist der Chef wirklich das Problem?

Diese Frage wirkt zunächst provokant.

Natürlich gibt es schwieriges Führungsverhalten. Es gibt Führungskräfte, die unklar kommunizieren, Konflikte vermeiden, kontrollierend auftreten oder Mitarbeitende verunsichern.

Gleichzeitig zeigt sich im Coaching häufig etwas Interessantes:

Selbst wenn das Verhalten der Führungskraft belastend ist, liegt der Schlüssel zur Veränderung häufig nicht ausschließlich beim Chef.

Denn auf manche Dinge haben wir keinen Einfluss. Auf andere schon.

Die entscheidenden Fragen lauten oft:

  • Was genau belastet mich an dieser Situation?

  • Welche Erwartungen habe ich an Führung?

  • Wo brauche ich Klarheit?

  • Welche Gespräche vermeide ich?

  • Welche Handlungsmöglichkeiten sehe ich aktuell nicht?

  • Welche Grenzen möchte ich setzen?

Diese Fragen verändern die Perspektive.

Die Aufmerksamkeit richtet sich weg von der ausschließlichen Bewertung des Gegenübers und hin zur eigenen Situation.

Das bedeutet nicht, Führungskräfte von Verantwortung freizusprechen. Es bedeutet, den eigenen Handlungsspielraum wieder sichtbar zu machen.


Wenn Anpassung zur Dauerlösung wird

Frau M. bemerkte im Coaching etwas, das ihr vorher nicht bewusst gewesen war.

Je unklarer die Zusammenarbeit wurde, desto stärker begann sie, sich anzupassen.

  • Sie formulierte vorsichtiger.

  • Sie fragte lieber einmal mehr nach.

  • Sie übernahm zusätzliche Aufgaben.

  • Sie versuchte, mögliche Kritik möglichst früh zu vermeiden.

Kurz gesagt: Sie investierte immer mehr Energie in die Beziehung zu ihrem Chef. Und immer weniger Energie in die Frage, was sie selbst eigentlich brauchte.

Viele Menschen reagieren ähnlich. Sie hoffen, dass die Situation besser wird, wenn sie sich nur genügend Mühe geben.

Das kann kurzfristig funktionieren. Langfristig entsteht jedoch oft das Gefühl, nur noch auf äußere Erwartungen zu reagieren.


Was Coaching in solchen Situationen leisten kann

Coaching verändert keinen Chef!

Das ist ein wichtiger Punkt. Es ist kein Instrument, um andere Menschen umzuerziehen oder schwieriges Verhalten verschwinden zu lassen.

Coaching kann jedoch dabei unterstützen, die eigene Position wieder klarer wahrzunehmen.

  • Welche Anteile gehören zur tatsächlichen Situation?

  • Welche Anteile entstehen durch Vermutungen oder Unsicherheit?

  • Welche Erwartungen sind ausgesprochen – und welche lediglich angenommen?

  • Wo lohnt sich ein Gespräch?

  • Wo braucht es eine Entscheidung?

  • Wo darf eine Grenze gezogen werden?

Oft entsteht bereits durch diese Klärung eine spürbare Entlastung. Denn Unsicherheit verbraucht Energie. Klarheit schafft Orientierung.


Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Im Verlauf des Coachings begann Frau M., einige Dinge anders zu betrachten.

Sie bereitete Gespräche bewusster vor. Sie formulierte Nachfragen konkreter und sprach Erwartungen an, die bisher unausgesprochen geblieben waren. Vor allem aber hörte sie auf, jede Reaktion ihres Chefs als Bewertung ihrer Person zu interpretieren.

Das veränderte nicht jede Situation, aber es veränderte ihre Haltung. Sie fühlte sich weniger ausgeliefert, weniger abhängig von der nächsten Rückmeldung und deutlich handlungsfähiger.


Schwierige Vorgesetzte wird es immer geben

Nicht jede Zusammenarbeit verläuft reibungslos, denn Menschen arbeiten unter Druck. Führungskräfte ebenso. Missverständnisse, unterschiedliche Erwartungen und Spannungen gehören zum Berufsalltag.

Problematisch wird es dort, wo solche Situationen dauerhaft Kraft kosten, die eigene Gesundheit beeinträchtigen oder das Gefühl entsteht, keine Handlungsmöglichkeiten mehr zu haben.

Dann lohnt sich ein genauerer Blick.

Wer die eigene Situation besser versteht, erkennt häufig neue Möglichkeiten. Oft entsteht daraus der erste Schritt zu mehr Klarheit. Und manchmal reift daraus eine Entscheidung, die schon lange im Raum steht.


Wenn Sie berufliche Herausforderungen, Konflikte mit Vorgesetzten oder Fragen zur eigenen Rolle reflektieren möchten, finden Sie auf meiner Coaching-Seite weitere Informationen zu Coaching für Fach- und Führungskräfte, Rollenklärung und berufliche Entwicklung.

 

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